Wo alles begann

Veröffentlicht am
4.2.26

Im Vorfeld unseres Retro Spieltages sprechen wir mit Christian Volkmer und Christian Sommerer. Warum der Weg der Eisbären Regensburg nie gerade war. Und vielleicht genau deshalb richtig.

Eishockey in Regensburg war nie ein Selbstläufer.
Es war nie bequem.
Und es war nie selbstverständlich.

Als 1933 das erste Eishockeyspiel in Regensburg ausgetragen wurde, dachte niemand an Arenen, Ligen oder Titel. Gespielt wurde draußen. Auf Natureis. Zwischen dem SV Donaustauf und dem Regensburger Ruderclub. Es ging nicht um Perfektion. Es ging darum, überhaupt zu spielen.

„Eishockey in Regensburg ist nicht aus einem perfekten Umfeld entstanden“, sagt Christian Volkmer, Vorstandsvorsitzender des EV Regensburg e.V. und Hauptgesellschafter der Eisbären Regensburg. „Es war lange improvisiert, abhängig vom Wetter und getragen von Menschen, die diesen Sport unbedingt wollten. Diese Herkunft prägt uns bis heute.“

Diese Haltung hat den Standort geprägt.

Mit der Gründung des Eissportvereins Regensburg im Jahr 1962 bekam diese Leidenschaft erstmals Struktur. Der Verein entstand aus dem, was bereits da war. Begeisterung. Eigeninitiative. Menschen, die an diesen Sport glaubten. Die frühen Jahre waren geprägt von Konkurrenz, Zusammenschlüssen und dem festen Willen, Eishockey dauerhaft in der Stadt zu verankern.

Das Stadion an der Nibelungenbrücke wurde zur Heimat einer ganzen Generation.
Offen. Kalt. Unbequem.

Aber genau dort entstand Identität. Derbies unter freiem Himmel. Emotionen ohne Filter. Fans, die kamen, weil sie dazugehören wollten. Nicht, weil es angenehm war.

„Dieser Ort hat geprägt, wie wir Eishockey verstehen“, sagt Christian Sommerer, Geschäftsführer der Eisbären Regensburg. „Regensburger Eishockey war nie geschniegelt. Es war direkt, emotional und nah an den Menschen. Das ist bis heute Teil unserer DNA.“

Während andernorts längst unter Dach gespielt wurde, wartete man in Regensburg auf den Winter. Training und Spielbetrieb folgten der Witterung. Diese Jahre haben Spuren hinterlassen. Sie haben den Blick auf das Spiel geschärft und den Respekt vor dem Sport vertieft.

1999 markierte einen Wendepunkt. Mit dem Umzug in die Donau Arena begann ein neues Kapitel. Nicht als Bruch mit der Vergangenheit, sondern als Weiterentwicklung. Die neue Spielstätte eröffnete Möglichkeiten, die es zuvor nicht gab. Sportlich, strukturell und organisatorisch. Es folgten Aufstiege, Erfolge und die bis dahin erfolgreichste Phase des Regensburger Eishockeys.

„Die Donau Arena war ein Quantensprung“, sagt Christian Volkmer. „Aber sie war kein Neuanfang im Sinne eines Bruchs. Sie war die logische Weiterentwicklung dessen, was vorher aufgebaut wurde.“

Doch auch diese Phase blieb nicht frei von Rückschlägen. Insolvenzen, Lizenzfragen und ein Neustart in unteren Ligen zwangen den Club dazu, sich neu zu erfinden. Statt auf schnelle Lösungen zu setzen, fiel eine bewusste Entscheidung. Aufbau statt Abkürzung. Nachwuchs statt kurzfristiger Effekte.

„Diese Jahre haben Demut gelehrt“, so Christian Sommerer. „Und sie haben gezeigt, dass nachhaltiger Erfolg nicht erkauft werden kann. Er muss wachsen.“

Dieser Weg zahlte sich aus. Mit dem klaren Fokus auf Ausbildung, Durchlässigkeit und regionale Identität entwickelte sich der Nachwuchs zur tragenden Säule des Clubs. Der Gewinn der deutschen Nachwuchsmeisterschaft war kein Zufall, sondern das Ergebnis jahrelanger konsequenter Arbeit.

Der sportliche Lohn folgte 2022 mit dem Aufstieg in die DEL2. Nicht als Sensation, sondern als logische Konsequenz eines konsequenten Weges. Nur zwei Jahre später gipfelte diese Entwicklung im überraschenden Gewinn der DEL2 Meisterschaft. Das Wunder von Regensburg. Emotional. Bundesweit wahrgenommen. Und doch geerdet in der eigenen Geschichte.

„Diese Erfolge sind eine Bestätigung“, sagt Christian Volkmer. „Aber sie sind kein Endpunkt. Sie zeigen, dass der eingeschlagene Weg der richtige ist.“

Heute stehen die Eisbären Regensburg für mehr als sportlichen Erfolg. Sie stehen für Haltung. Für Geduld. Für den Mut, den eigenen Weg zu gehen. Von den Anfängen auf Natureis bis zur Donau-Arena. Von improvisierten Trainingszeiten bis zu modernen professionellen Strukturen.

Unser Retro Spieltag erinnert an genau diesen Weg.
Nicht, um zurückzublicken.
Sondern um sichtbar zu machen, worauf alles aufgebaut ist.

„Es geht um Respekt“, sagt Christian Sommerer. „Vor der Geschichte. Vor den Menschen, die diesen Weg möglich gemacht haben. Und vor der Verantwortung, ihn weiterzugehen.“

Denn diese Geschichte ist nicht vorbei. Sie läuft weiter.Mit jedem Spiel. Mit jeder Generation. Und mit allen, die sie mittragen.